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Erst die Bomben dann das Geld

Geberkonferenz für Afghanistan in Berlin fortgesetzt

06. Dezember 2001

[nachrichten-café/ddp] "Erwachsene" Nationen werfen erst Bomben, installieren anschließend eine ihnen gefällige Regierung und geben schließlich Geld für eine möglichst langfristige Absicherung ihrer politischen und ökonomischen Interessen. Außenpolitik führender Industrienationen eben. In Berlin setzten die 15 Mitgliedsländer der "Afghanistan Support Group" ihre Beratungen über die "Hilfsstrategien" mit Vertretern der UNO und der EU-Kommission fort. An der Tagung, die am Mittwoch begann, nahmen auch 20 Hilfsorganisationen teil.

Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) appellierte an die Geberländer, darunter Deutschland, Japan, die USA und Russland, langfristige Hilfe sicherzustellen. Der wirkliche "Ernstfall" für das Land sei der Wiederaufbau. Besondere Hilfe müsse dabei den Frauen sowie der Schulbildung zukommen. In der Bevölkerung müsse es aber auch einen Willen zur Gemeinsamkeit geben.

World Vision Deutschland (WVD) warnte, der Wiederaufbau dürfe sich nicht auf rein materielle Hilfe beschränken, sondern müsse vor allem Maßnahmen zur Stärkung der Zivilgesellschaft berücksichtigen. World Vision leistet in Westafghanistan und um die Stadt Herat herum Hilfe. Dort seien rund 200.000 Menschen von Hunger und Kälte bedroht.

UNICEF warnte, in weiten Teilen Afghanistans habe es begonnen zu schneien, viele Orte seien bald von der Außenwelt abgeschnitten. Für die mangelernährten Kinder seien selbst harmlose Krankheiten wie Durchfall lebensgefährlich. Das Kinderhilfswerk schickte nach eigenen Angaben seit September 50 Hilfskonvois mit über 1.000 Tonnen Medikamenten, Decken, Winterkleidung und Plastikplanen nach Afghanistan. Die Hilfsgüter werden von 70 afghanischen Mitarbeitern über lokale Gesundheitsstationen und Hilfsprojekte verteilt. Am 20. Dezember startet UNICEF eine Maser-Impfkampagne für 390.000 Kinder im Westen des Landes.

Die Deutsche Welthungerhilfe organisiert den Transport von angereichertem Weizenmehl von Tadschikistan nach Nordafghanistan. Allerdings würden die Lieferungen immer wieder behindert, weil militärischer Nachschub und Wirtschaftsgüter an den Grenzen abgefertigt würden.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) will gemeinsam mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in den nächsten Wochen ein Büro in Kabul eröffnen. Ziel sei, die deutsche Wiederaufbauhilfe zügig anlaufen zu lassen. Die internationale Geberkonferenz beschloss bereits im Oktober, rund 1,3 Milliarden Mark für humanitäre Hilfe bereit zu stellen. Ende Januar wollen die Länder in Tokio über die Finanzierung des zivilen Wiederaufbaus beraten. Deutschland will sich mit 98,3 Millionen Mark an der humanitären Hilfe und mit rund 160 Millionen Mark am Wiederaufbau beteiligen.

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