Desertec
Siemens verlangt Subventionen
20. Oktober 2010
Vor einem Jahr hatten sich europäische und nordafrikanische Unternehmen zur Desertec Industrial Initiative zusammengeschlossen. Die Unternehmen verfolgen angeblich das Ziel, bis 2050 in den Wüsten Nordafrikas und des Nahen Ostens im großen Stil Strom aus Sonne und Wind für Europa zu erzeugen.
Ende Oktober treffen sich diejenigen Unternehmen und Forschungsorganisationen in Barcelona zu einem ersten Desertec-Jahreskongress. Den Hauptvortrag hält Caio Koch-Weser, "Vice Chairman" der Deutschen Bank.
Immenser Subventionsbedarf
Erste gröbste Schätzungen gehen von einem Investitionsbedarf von rund 400 Milliarden Euro aus, um nur 15 Prozent des europäischen Strombedarfs zu decken. Kritiker des Projekts bezweifeln unter anderem wegen der hohen Kosten und wegen des immensen Subventionsbedarfs die Realisierungschancen des Projekts. Sie verweisen beispielsweise auf eine Anzeigenkampagne der Energiewirtschaft vom August, in der es hieß (www.energiezukunft-fuer-deutschland.info): "Windkraft kommt aus der Nord- und Ostsee, Sonnenenergie aus Südeuropa und vielleicht irgendwann aus der Sahara."
Während Greenpeace und Politiker jeglicher Couleur oftmals den Eindruck erwecken, schon morgen käme der Solarstrom aus der Sahara, spricht die Energiewirtschaft davon, dass das Projekt "vielleicht irgendwann" einmal Wirklichkeit werden könnte.
Scheer: Die Desertec-Kosten "sind absurd"
Solar-Pionier Hermann Scheer sagte im Juli 2009 dem "Manager Magazin", er sei gegen die Desertec-Idee, "weil der Plan so umfangreich und kostenintensiv sei, dass er nur aufgehen kann, wenn man den Ausbau der Erneuerbaren Energien bei uns willkürlich stoppt". Die Investitionskosten bei Desertec "sind absurd", so Scheer, "selbst wenn wir unterstellen, dass die Kalkulation stimmt, die sie zitieren. Der Aufbau der Anlagen und des Transportnetzes ist ein so gigantisches Unterfangen mit so vielen Beteiligten, dass die Kosten kaum planbar sind."
Jeder Transitstaat der Transportleitungen werde taktieren, um für sich das Beste herauszuholen, und es werde Widerstände vor Ort geben. "Das kostet Zeit und letztlich Geld, weil sich der Return on investment (ROI) immer wieder verzögern wird. Das können Sie bei praktisch jedem Großprojekt beobachten, sei es ein Kernkraftwerk in Finnland, sei es das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 oder der Eurofighter", so Scheer.
Potenzielle Subventions-Empfänger
Für die Realisierung von Desertec-Pilotprojekten hat sich die Crème de la crème der deutschen Wirtschaft in der 2009 gegründeten Industrieinitiative namens Dii GmbH zusammengefunden.
Zu den potenziellen Subventionsempfängern zählen neben Siemens zum Beispiel die Deutsche Bank, der Versicherungsriese Münchener Rück, sowie die Energiekonzerne RWE, E.ON und ABB. Zu den Gründungsgesellschaftern stiegen bei der Dii GmbH inzwischen weitere, hochpotente Konzerne wie der französische Atomkraftwerksbetreiber EdF mit ein.
Stromnetz-Betreiber aus Italien und Spanien zählen neuerdings ebenfalls zum Desertec-Club wie die Fraunhofer- und die Max-Planck-Gesellschaft, sowie die Gutachterorganisation TÜV Süd, die sich an der Begutachtung deutscher Atomkraftwerke schon eine goldene Nase verdient hat.
Viele der Institutionen sind immer wieder mit dabei, wenn es darum geht, Staatssubventionen in privatwirtschaftliche Gewinne zu verwandeln.
Foto: PhotoCase.com
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[nachrichten-café] Der Koordinator des Wüstenstromprojektes "Desertec" beim Siemens-Konzern, Bernd Utz, hat sich für staatliche Unterstützung bei der Umsetzung des Vorhabens ausgesprochen. Den Begriff "Subvention" vermied der Siemens-Mann. "Es ist eine Folge von Projekten angedacht. Und am Anfang gibt es natürlich noch Unsicherheiten. Die drücken sich in erhöhten Finanzierungshürden aus", sagte Utz dem Berliner "Tagesspiegel". Die finanzierenden Banken hätten zwar keine grundsätzlichen Zweifel, behauptete der Siemens-Manager, aber das Projekt sei neues Terrain. "Und da kann eine stützende Hand des Staates hilfreich sein."