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Deutschland und Schweiz

Weniger Mädchen in der Umgebung von Atomanlagen

27. November 2010

[nachrichten-café] In der Umgebung von Atomkraftwerken und sonstigen Atomanlagen kommen in Deutschland und der Schweiz offenbar weniger Mädchen auf die Welt. In den letzten 40 Jahren haben Mütter, die in Deutschland und in der Schweiz im Umkreis von 35 Kilometern einer der untersuchten 31 Atomanlagen leben, bis zu 15.000 Kinder weniger geboren als durchschnittlich zu erwarten gewesen wäre, die Mehrzahl davon Mädchen. Das geht aus einer im Oktober 2010 veröffentlichten Studie von Ralf Kusmierz, Kristina Voigt und Hagen Scherb hervor. Voigt und Scherb arbeiten am Institut für Biomathematik und Biometrie des Helmholtz Zentrums München. Für die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW untermauert diese Studie den ursächlichen Zusammenhang von radioaktiver Strahlung und einer Schädigung von Zellen – insbesondere bei Embryonen.

Die Kinderkrebsstudie hatte schon 2007 ein erhöhtes Krebs- und Leukämie-Erkrankungsrisiko bei Kleinkindern im Nahbereich von Atomkraftwerken in Deutschland nachgewiesen, so die IPPNW.

Der Verlust von Mädchen-Schwangerschaften weist nach Auffassung von IPPNW-Vorstandsmitglied Reinhold Thiel auf eine Schädigung des Erbguts durch die ionisierende Strahlung hin, die von Atomkraftwerken in die Umgebung abgegeben wird. Vergleichbare hochsignifikante Effekte seien bereits nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sowie in der Folge von Atombombenversuchen beobachtet worden.

Nach Tschernobyl kam es laut IPPNW in Europa nicht nur zu einer erhöhten Zahl von Totgeburten und Fehlbildungen, sondern auch zu einer Verschiebung des Verhältnisses von männlichen und weiblichen Embryonen: Nach 1986 wurden in Europa signifikant weniger Mädchen geboren.

Um der Strahlenempfindlichkeit von Embryonen und Kleinkindern Rechnung zu tragen, müssen sich Strahlenschutzstandards und Grenzwerte nicht an einem gesunden, jungen Mann (Reference Man), sondern am extrem strahlensensiblen Embryo (Reference Embryo) orientieren, so Thiel.

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