WikiLeaks-Veröffentlichungen
"Operation der US-Geheimdienste"
30. November 2010
Der iranische Außenministeriums-Sprecher betonte, die Kommentare der US-Außerministerin Hillary Clinton machten den Iran argwöhnisch. So habe Clinton insbesondere auf solche Dokumente abgehoben, aus denen Sorgen der nahöstlichen arabischen Staaten über das Atomprogramm des Iran zum Ausdruck gebracht würden.
Arabische Machthaber, Israel und ein möglicher Iran-Krieg
Den US-Dokumenten ist ferner zu entnehmen, dass Führer der persischen Golfstaaten Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabische Emirate das iranische Atomprogramm als Bedrohung ansähen. Arabische Machthaber sollen demnach auch intensivere Beziehungen zu Israel führen als bislang angenommen und dass sich einige mit US-Hilfe auf eine bewaffnete Auseinandersetzung vorbereiteten, schreibt Spiegel Online.
In einigen der von WikiLeads veröffentlichten Botschafts-Depeschen steht, Saudi-Arabien habe die USA wiederholt gemahnt, den Iran militärisch anzugreifen, um dessen Atomprogramm zu schwächen.
WikiLeaks könnte Israel einen Gefallen getan haben
Die israelische Regierung will sich offiziell nicht zum Thema ußern, israelische Zeitungskommentatoren sprechen aber eine deutliche Sprache: "Wenn es WikiLeaks nicht schon geben würde, hätte Israel es erfinden müssen", kommentierte die Tageszeitung "Jediot Achronot".
Und die "Jerusalem Post": "Aus israelischer Sicht ist es keine Übertreibung zu sagen, dass WikiLeaks dem Land am Sonntag einen Gefallen getan haben könnte. Indem die arabischen Führer mit extremeren Äußerungen als die israelischen zitiert werden, zeigen die Mitteilungen die Unstimmigkeiten in der Region und die Gefahren, wenn man dem Iran gestattet, an seinem Atomprogramm weiterzuarbeiten." Zudem: Israelischen Politikern seien "peinliche Analysen" ihrer Persönlichkeit erspart geblieben.
Ahmadinedschad: Diese Dokumente werden nicht die angestrebte politische Wirkung haben
Der iranische Präsident Ahmadinedschad wies diese Darstellungen am Montag bei einer Presse-Konferenz in Teheran zurück: "Diese Dokumente verfolgen bestimmte politische Ziele. Sie sind eine gewisse Art von Geheimdienst-Spiel und haben deshalb keine einzige legale Grundlage."
"Diese Dokumente haben keinen rechtlichen Wert und werden nicht die angestrebte politische Wirkung haben", so Ahmadinedschad gegenüber Press TV. Sie hätten keine Folgen für die Beziehungen des Iran mit den arabischen Ländern. Es sei reine Zeitverschwendung, die WikiLeaks-Dokumente zu studieren.
Russischer Militärexperte ebenfalls skeptisch
Der russische Militärexperte Leonid Iwaschow ist ebenfalls skeptisch. RIA Novosti sagte er: "Es ist nicht auszuschließen, dass die Veröffentlichung nur Teil einer Operation der US-Geheimdienste ist." Die Operation ziele möglicherweise darauf ab, die Aufmerksamkeit der Welt von den innenpolitischen Problemen der Vereinigten Staaten abzulenken.
"Kann eine noch brisantere Veröffentlichung organisiert werden"
Außerdem sei das ein Signal für ausländische Spitzenpolitiker. "Man gibt ihnen zu verstehen: Wenn sie gegen die US-Interessen verstoßen, kann eine noch brisantere Veröffentlichung organisiert werden", so Iwaschow gegenüber RIA Novosti.
Tatsächlich teilen die die US-Depeschen Spitzenpolitiker aus aller Welt in Freunde und Feinde der USA ein. Politiker, die die US-Politik offenbar nicht bedingungslos folgen, werden in den Botschafts-Berichten zum Teil massiv verunglimpft.
Irakischer Ex-Regierungschef: Wir haben die USA nicht zu einem Militärschlag gegen den Iran ermutigt
Inzwischen kommen erste Dementis aus Nahost-Regierungskreisen. Der irakische Ex-Regierungschef Ijad Allawi, der auch in der neuen Regierung einen wichtigen Posten erhalten soll, hat die WikiLeaks-Veröffentlichungen verurteilt. Allawi bestritt am Dienstag (30. November) gegenüber dem Deutschlandfunk Angaben aus den WikiLeaks-Berichten, wonach sein Land die USA zu einem Militärschlag gegen den Iran ermutigt habe soll.
Zumindest für seine Amtszeit als irakischer Ministerpräsident von 2004 bis 2005 stimme dies nicht, sagte er am Dienstag im Deutschlandfunk.
"Das hat der SPIEGEL getan"
Für das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" und für "Spiegel Online" gibt es jedoch keinen Zweifel an der "Enthüllung" geheimer US-Dokumente. Der Spiegel bekam neben der "New York Times", dem "Guardian", "Le Monde" und "El País" das WikiLeaks-Material exklusiv zur schrittweisen Veröffentlichung. Diese internationalen Leitmedien gelten zwar gemeinhin als kritisch, oder gar als investigativ. Medienkritiker haben an diesem Bild allerdings so ihre Zweifel.
"Mit einem Team von 50 Redakteuren und Dokumentaren haben SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE das überbordende Material gesichtet, analysiert und überprüft", heißt es bei Spiegel Online.
Und man stimmt sich vor der Veröffentlichung mit der US-Regierung ab: "In einigen Fällen trug die US-Regierung Bedenken vor, manche Einwände hat der SPIEGEL akzeptiert, andere nicht. In jedem Fall galt es, das Interesse der Öffentlichkeit abzuwägen gegenüber berechtigten Geheimhaltungs- und Sicherheitsinteressen der Staaten. Das hat der SPIEGEL getan."
Es wird der Eindruck eines ebenso abwägenden wie mutigen Nachrichtenmagazins vermittelt.
Foto: ngo-online
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[nachrichten-café] Die jüngst von WikiLeaks begonnene Veröffentlichung von mehr als 250.000 Depeschen aus 250 US-Botschaften sind nach Ansicht des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad von der US-Regierung organisiert worden. Einem Bericht des iranischen Senders Press TV zufolge sagte Ahmadinedschad am Montag (29. November), die veröffentlichten Dokumente seien Teil einer "psychologischen Kriegsführung" der USA. Der Vorgang sei "höchst suspekt". Eine derart große Zahl von Dokumenten könne nicht ohne die Beteiligung westlicher Geheimdienste, insbesondere der USA, veröffentlicht werden. Der Schachzug unterstütze die Interessen Israels und seiner westlichen Allierten, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ramin Mehmanparast, gegenüber Press TV. Ein russischer Militärexperte kam offenbar zu einer ähnlichen Einschätzung.