Bernard Lown
Initiator und Mitbegründer der IPPNW, Präsident 1980-1982, Co-Präsident 1982-1993, Prof. emeritus der Kardiologie der Harvard-Universität in Boston, USA, Erfinder der lebensrettenden Elektro-Defibrillation, Empfänger des Friedens-Nobelpreises 1985 für die IPPNW, gemeinsam mit Evgenij Chazov.
Bernard Lown wurde am 7. Juni 1921 in Utena, Litauen, geboren. Die Familie emigrierte 1935 in die USA. Schon während der Studienzeit engagierte sich Lown in studentischen Gruppen, die wegen ihrer Forderung nach verstärkter Zulassung von Farbigen, Frauen und Juden zum Medizin-Studium als "linksgerichtet" angesehen wurden. Zeitweise war er vom akademischen Unterricht suspendiert, da er die von ihm als unsinnig betrachtete Verwendung von "farbigen" und "weißen" Blutkonserven für die jeweilige Rasse ignoriert hatte. Während der Ära des US-amerikanischen Kommunisten-Jägers McCarthy zu Beginn der 50er Jahre hatte man Lown als Arzt für den Einsatz im Korea bestimmt und wollte ihn veranlassen, aus einer Liste von 400 "subversiven" Organisationen diejenigen anzugeben, denen er angehört hatte. Er lehnte ab und plädierte für die Abschaffung dieser diskriminierenden Gesetze.
Lown hätte auch den Nobelpreis für Medizin verdient: Er ist der Erfinder der Elektrodefibrillation (1961), mit der das tödliche Kammer-Flimmern, die häufigste Ursache des "sudden death", unterbrochen werden kann. Weltweit ist seither mit dieser Methode Hunderttausenden von akut Zusammen-Gebrochenen das Leben gerettet worden. Über 300 wissenschaftliche Publikationen und mehrere Bücher und Buchbeiträge wurden von Lown erarbeitet. Er wurde mit über 20 Promotionen, Titeln und Mitgliedschaften von amerikanischen und internationalen Universitäten und Akademien geehrt.
Die Arbeit der folgenden Jahre war bis zu seinem Emeritieren von zwei Schwerpunkten gekennzeichnet: Einerseits verfolgte Lown seine Arbeit als Kardiologe an der Harvard School of Public Health konsequent weiter. Anderseits engagierte sich Lown seit den 60er Jahren für die Verantwortlichkeit des Arztes im Zeitalter der nuklearen Bedrohung. Er trat für den ärztlichen Auftrag im Sinne der Lebens-Erhaltung, für die Verhinderung des Atomkriegs sowie für die medizinische Kooperation über die Grenzen politischer und ideologischer Macht-Blöcke hinaus ein. Er war einer der ersten Mediziner, die die Gruppe Physicians for Social Responsibility (PSR) 1960 ins Leben riefen, die der nuklearen Kriegsgefahr der folgenden Jahre entgegen wirken wollte. Die Bürgerrechts-Bewegung und der Vietnamkrieg unterbrachen dann aber bis in die späten 70er Jahre hinein die Weiter-Entwicklung der PSR, sie führte zunächst nur noch ein Schattendasein.
Bernard Lown begründete die IPPNW in 1980 mit Evgeny Chazov and anderen Kollegen in Genf. Ab April 1982 wurde die IPPNW gemeinsam von Lown und Chazov als Co-Präsidenten geführt. Lown begab sich unermüdlich auf Reisen in viele Länder, um die internationale Ärzteschaft, die Öffentlichkeit, die Weltgesundheits-Organisation, das Internationale Rote Kreuz, die Vereinten Nationen und mehrere Regierungschefs in überzeugenden und zündenden Reden über die immensen Gefahren des atomaren Wettrüstens und der Politik der Androhung zu gegenseitiger Vernichtung zwischen den USA und der Sowjetunion aufzuklären. Lown und Chazov erhielten 1985 stellvertretend für die 145.000 ÄrztInnen der IPPNW aus 41 Ländern den Friedens-Nobelpreis.
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