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Medgrid

Bild: WWF

Medgrid (ursprünglich "Transgreen") ist ein von französischen Energiekonzernen dominiertes Industrie-Konsortium zum Bau von bis zu fünf Untersee-Stromkabeln im Mittelmeer. Mit den Stromtrassen soll Strom aus nordafrikanischen Kraftwerken nach Europa transportiert werden. Offiziell heißt es, man wolle damit ausschließlich Solarstrom (Desertec-Strom) aus Afrika nach Europa leiten. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass es möglicherweise insbesondere darum geht, Strom aus Atom- und Kohlekraftwerken zu transportieren, die europäische Konzerne in Nordafrika errichten wollen ("the hidden nuclear agenda"). Das Projekt wird von der französischen Regierung unterstützt.

Sechs Milliarden Euro für 5000 Megawatt Strom

"Um 5000 Megawatt Strom zu transportieren, brauchen wir fünf neue Leitungen. Die Gesamtkosten dürften bis zu sechs Milliarden Euro betragen", erkärte Medgrid-Geschäftsführer Georges de Montravel im November 2010. Das Konsortium will aber nur die Vorbereitungen zum Bau leisten. "Die Leitungen selbst sollen dann von Investoren gebaut werden, die möglicherweise sich aus den Medgrid-Aktionären rekrutieren", so Montravel. Die Vorstudien will Medgrid bis 2013 abgeschlossen haben. Als Anbieter für die Stromtrassen kommen Siemens und Alstom in Betracht [Handelsblatt, 22.11.2010].

Das Medgrid-Konsortium

Medgrid-Aktionäre sind unter anderem:

  • Alstom
  • Siemens, deutscher Hersteller von Atomkraftwerken, konventionellen Kraftwerken, erneuerbaren Energie-Anlagen und Stromtrassen
  • Areva, französischer Hersteller von Atomkraftwerken
  • RTE, Netztochter des französischen Atomkraftwerksbetreibers EDF
  • Nexans, Kabelspezialist
  • Abengoa, spanischer Solarkonzern
  • ONE, marokkanischer Stromanbieter

Jeder Aktionär soll rund 200.000 Euro Eigenkapital in das Konsortium einbringen [Handelsblatt, 22.11.2010].

Die heimliche Atom-Agenda der Wüstenstrom-Propaganda

Italienische und französische Unternehmen wollen in Tunesien ein Kohlekraftwerk und in Ägypten und Albanien Atomkraftwerke bauen. Ein Großteil des Kohle- und Atomstroms soll nach Europa geliefert werden und dafür würden neue Stromverbindungen zwischen Nordafrika und Europa (Seekabel) benötigt.

Ein Abgeordneter des Europaparlaments geht davon aus, dass die angeblich für den solaren Wüstenstrom erforderlichen Stromtrassen zwischen Nordafrika und Europa faktisch für den Transport von Kohle- und Atomstrom gebaut werden sollen.

Dient das Desertec-Konzept womöglich nur der Legitimierung von Subventionen für neue Stromtrassen? Sind die Planungen von Medgrid für angebliche Solarstromtrassen zwischen Nordafrika und Europa in Wirklichkeit Planungen für Atomstrom-Autobahnen (Stichwort "Green Washing")?

Diese potenzielle Lüge bei der Legitimierung des Netzausbaus erinnert an die Situation in Deutschland: Auch bei den geplanten Stromtrassen zwischen Nord- und Süddeutschland, die mit den geplanten Off-Shore-Windparks legitimiert werden, geht es interessierten Kreisen vermutlich vornehmlich darum, Strom aus neuen Kohlekraftwerken nach Süddeutschland zu transportieren.

Literatur / Quellen

Henrik Paulitz: Für eine kriegs-präventive dezentrale Energiewirtschaft in Bürgerhand - Desertec-Kritik. Solarzeitalter 2/2010.

Unterseeleitungen - Frankreich verkabelt Desertec mit Europa. Handelsblatt vom 22.11.2010.

Foto: WWF

 

 

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